Freitag, 25. März 2016

Tashkurghan



Die Leute hier montieren die Ketten auf die Räder erst, wenn es zu 200% nicht geht! Egal wie verschneit alles ist. Sie fahren in die Berge ohne Allrad, Lastwagen nehmen eine vereiste Steigung mit Schwung, um rauf zu kommen und verwundern sich dann, wenn sie quer stehen und die ganze Strasse blockieren.

Ich musste einen schneienden Tag erwischen, um in diese Ecke zu kommen.
Fast 300km südlich von Kashgar liegt Tashkurghan im Pamir Gebirge.
Tajiken leben hier. Und angesiedelte Chinesen.
Dass China auch noch Teile von Kashmir beansprucht, scheint einfach nur absolut lächerlich, wenn man einmal in dieser Gegend ist.
Nichts hat auch nur im Geringsten irgendetwas mit China zu tun.

Es war Neujahr.
Pferderennen, Schaf-Polo-Basketball (ein etwas ungewöhnlicher "Sport"), verschiedenes Essen, Markt, Männer jeglichen Alters auf Pferden.
War ich froh, dass es ein richtiges traditionelles Fest war, und nicht einfach nur eine inszenierte Show für Touris. Leider viel zu häufig, wenn es darum geht, die "Kultur" des Landes zu zeigen. 

Ich war der einzige Ausländer.
Und Verdächtiger #1.
Beim Fest waren Sicherheitsleute (Tajiken) und bewaffnete Polizisten (Chinesen).
Mein Pass wurde kontrolliert, was ich hier mache, wo ich schlafe, ob ich alleine sei.

Es hatte viele chinesische Fotografen, um das Fest zu belichten.
Sie waren einfach nicht sehr rücksichtsvoll......
Sehen sie ein geeignetes Sujet, stellen sie sich davor und knipsen drauf los, ohne zu fragen, stellen kleine Kinder in die Pose die sie wollen.
Ich bin ja eher ein Ninja-Fotograf.
Niemand merkt, wenn ich ein Foto mache, oder ich frage ob es recht sei.
Ich schämte mich ein wenig, auch mit einer Kamera da rumzulaufen....

Die Tajiken könnten Europäer sein!
Blonde Haare, rote Haare, blaue Augen, lange Nasen, gross und kräftig.
Äusserst nette Menschen und richtig gute Reiter! 

Am folgenden Tag streunte ich durch das hässliche Dorf, was im China Stil aufgebaut wurde. Die kleineren traditionellen Tajiken Dörfer waren viel sympathischer.
Aber die Gegend war einfach nur der Hammer!
Hohe verschneite Berge und dann endlich auch blauer Himmel!

Ich wollte doch noch bis an das Ende des Tales, auf den Punjerab Pass.
Das war immerhin in Highlight hier.
Ich fuhr mit einem Lastwagen einige Kilometer das Tal hoch und lief dann von dem Dorf,  in dem er halten musste, einfach weiter.
Irgendwann pfiffen mir einige Tajiken zu, ich müsse mitkommen.
Sie brachten mich zu dem kleinen Polizeiposten, machten Fotos, kontrollierten meinen Pass und sagten dann es sei gut, ich könne weiterziehen.
Dann kamen die chinesischen Grenzbeamten.
Sie kontrollierten meinen Pass, machten Fotos und telefonierten ihrem höheren Offizier.
Ich musste nun in den Hauptposten.
Da wurde mein Pass kontrolliert, ich wurde fotografiert, die Bilder auf meiner Kamera wurden kontrolliert. Der Offizier war gleich alt wie ich, konnte Englisch und war super freundlich! Wir verstanden uns prächtig. Ich wurde gleich noch in die Kantine zum Mittagessen eingeladen.
Danach musste ich aber umkehren.
Nur Chinesen dürfen den Pass hoch, da ich verdächtig sei und die Grenze illegal überqueren könnte. Zuerst macht es China schwer ein Visa zu bekommen und dann wollen sie dich nicht raus lassen...
Am nächsten Tag wiederholte sich das Spiel beinahe gleich, als ich nahe von Tashkurghan einen Hügel rauf wollte. Nicht auf der Seite der Grenze, sondern landinwärts.
Auf einmal war da ein Tajik Sicherheitsmann. Wieder musste ich mitgehen.
Der funkte dann den Grenzbeamten und ich wurde auf der Strasse wieder von Chinesen gefilzt. Der gleiche Mann, wie schon an meinem ersten Tag beim Neujahrfest.
Rucksack kontrolliert, Bilder auf der Kamera angeschaut, ob ich eine Karte dabei habe. Ein weiterer Beamter filmte das ganze Spiel. Aber mit mir hatten sie eine Niete gezogen. Ich mache nicht immer was ich soll, aber von illegalen Handlungen halte ich mich fern. Abgesehen davon, mich verbal darüber auszulassen. Zum Glück hatte ich vorher nicht die Panzerwagen und Sicherheitskräft in Kashgar fotografiert, wie ich eigentlich vor hatte.

Ein alter Tajik beobachtete die Szene.
Als die Polizei / Grenzbeamten weg waren, unterhielten wir uns ein wenig auf chinesisch.
Wo ich herkomme, wie lange ich hier sei, wie alt ich sei, warum ich in diesem Alter keine Kinder habe (eine oft gestellte Frage).

Er erklärte mir, dies sei nicht China. Sie seien Tajiken. Genau schon wie die Uighuren, waren sie auch hier überhaupt nicht begeistert von ihren Besatzern.
Verstand ich nur zu gut.

Waren eindrucksvolle Tage, etwas melancholisch, etwas kalt, ich wurde für meinen Geschmack zu oft gefilzt und Atostopp ein wenig schwierig.
Die Tajiken wollten Geld und die Chinesen hielten gar nicht erst an.
Ein Tajik nahm mich aber schlussendlich wieder aus dem Tal raus, richtung Kashgar.




 
 
 
 





 

Ich besuchte die "Stone City", wo niemand beim Kassenhäuschen war. Ich wäre nicht gegangen, hätte ich bezahlen müssen. Die alte Festung steht schon über tausend Jahre. Wurde natürlich als chinesische Kultur verkauft.


Ein Yak auf der Strasse unter den tausenden Banner im Ort, welche der kommunistischen Partei zur Unterwerfung (oder war es Angliederung?) der Provinz Xinjiang vor 60 Jahren dankten. Danke, danke, danke
 






Geniesst das letzte Video aus China.
Und schätzt meine Arbeit! ;)
 Es dauert Stunden das Ding zusammenzuschneiden, doppelt so lange, um eine gute VPN Verbindung zu haben und die Firewall von China umgehen zu können und dreifach so lange dann das Video hochzuladen!




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