Mittwoch, 1. Juli 2015

die Insel der Wald- und Wassergeister




Südlich einer der Hauptinseln – Kyushu – liegt die kleine Insel Yakushima.
UNESCO Weltnatur-Erbe und einer der nässesten Orten der Welt.
In der Tat.
Es regnete aus Kübeln als ich mit der Fähre ankam.
Der Herr Petrus hatte die ganz grossen Kübel - die für den Notfall, ganz hinten im Regal – hervorgeholt.
Zuerst verkroch ich mich in einem Restaurant, um eine Pause abzuwarten und irgendwo ein Zeltplatz zu suchen. Es kam keine Pause. Wohlan! Raus in den Wasserfall und den Schirm aufspannen.

Ich fand einen geeigneten Zeltplatz in dem kleinen Hafendorf Anpo gleich nach der Brücke, in einem kleinen Unterstand. Da würde ich niemanden gross stören und hatte eine öffentliche Toilette mit Dusche – sprich Wasserschlauch – daneben.

Auf der Fähre hatte ich die Mädels Saki und Azusa kennengelernt und saugte am folgenden Tag gleich den Beiden auf eine Wanderung an. Mich überraschten die hohen Buspreise, um in das kleine Tal in den Bergen zu gelangen! Die Insel hat nur einen Durchmesser von etwas mehr als 35km, aber dennoch eine grosse Fläche: alles ist bergig, sehr wenig flach. Es hatte Bäume mit geschätzten 3000 Jahren und mehr, welche die Zeit der Abholzung überlebt hatten, bevor die Insel Nationalpark wurde. Jomo – Sugi, einer dieser Riesen, war unser Ziel. Wir liefen den alten Schienen entlang, über welche das Holz rausgeschafft wurde. Der Weg war mehr oder weniger ein Bach und es goss immer weiter.
Bald trafen wir auf die ersten Yakushima Hirsche, welche nur hier vorkommen und praktisch keine Scheu vor den Menschen haben.
Der Weg führte an einem riesigen Baumstumpf vorbei. Seit Taiwan war dies der beeindruckenste Wald, den ich je sah. Leider liess das Wetter den Ausflug nicht sonderlich geniessen.
Alles war nass.




Am nächsten Tag wollte ich zwar wandern gehen, aber die anhaltenden Schauer liessen mich die Küste erkunden, anstatt in die Berge zu fahren. Ich nahm den Bus zum Senpiro-no-taki Wasserfall, wo mich ein anderer Tourist mit seinem Auto auflas. Haschi war mir gleich sehr sympathisch. Natürlich erinnerte mich der Name an die Gleichnamigen Halter-Bonbons ;)
Er war auf dem Weg, die Insel zu umrunden, 135km. Er war so freundlich und nahm mich gleich mit. Wir besuchten einen weiteren grossen Wasserfall – Oko-no-taki - der so viel Wasser führte, dass wir von den Gischt Spritzern innerhalb von Sekunden nass waren, trotz gehörigem Abstand.
Die Wassermassen verursachten ein riesen Tosen und ein Sturmwind in der Schlucht.

Auf der Strasse sahen wir Makaken, die gerade bei der Fellpflege waren, sich nicht dabei stören liessen und sehr viele Hirsche. Da die Insel seit langem unter Schutz steht und keiner jagt, haben die Tiere eine sehr geringe Fluchtdistanz und lassen sich herrlich aus der Nähe in ihrem natürlichen Verhalten beobachten.
Ich war froh, einen Tag im Trockenen in einem Auto verbringen zu können!



 Aber die Wettervorhersage sah vielversprechend aus:
Die nächsten beiden Tage sollten schön werden!
Ich wollte eine Wanderung auf den höchsten Berg, den 1936m hohen Mt. Myianoura, wagen. Auf der Strecke hatte es eine Hütte in der man übernachten konnte. Mein Plan war, mich trotz Regen (entgegen der Wetterfee) zur Hütte durchzuschlagen, da zu übernachten und falls es am folgenden Tag besser war, den Aufstieg zu machen.
Ich kam mit meinen Schuhen voll Wasser bei der Hütte an. Es hatte noch einen weiteren Gast, Mr. Sato, wir waren die Einzigen. Neben der Hütte hatte es einen kleinen Fluss der 1.5m hoch Wasser führte. Glasklares Wasser. Eine Stunde nachdem der Regen am Abend aufgehört hatte, war der Stand auf einen halben Meter gesunken. Trotz heftigstem Regen sind alle Bäche klar. Keiner führt schmutziges Wasser. Die Insel wird so regelmässig durchgewaschen, dass da einfach kein Dreck mehr übrig ist. Und es hat viele Bäche, überall. Wasser und Erde sind die Elemente hier. Die Bäume sind von einer dicken Moosschicht überzogen und auch die Steine im Wald haben einen kleinen Flechtenwald auf sich.
Mr. Sato und ich wachten um 4 Uhr früh auf und starteten eine Stunde später. Zuerst hatte ich noch Zweifel, aber als die ersten Sonnenstrahlen magisch durch den nassen Nebelwald drückten, stieg meine Zuversicht. Das Wetter würde den ganzen Tag halten. Ich hatte den einzigen regenfreien Tag innerhalb 2 Wochen erwischt! Ich fühlte mich wie in einer Märchenwelt…
Nass wurde ich trotzdem. Der brusthohe Bambus in den höheren Gefilden triefte nur so vom nächtlichen Nebel. Der Weg war an sich gut, aber streifte doch die ganze Zeit den Pflanzen entlang. Wieder war alles voller Hirsche. Ich zählte schon lange nicht mehr. Einen Fasan habe ich auch noch gesehen, eine grosse Kröte und eine Schlange, die aber zu schnell weg war.
Die Granitfelsen erodieren einzigartig und hinterlassen eine unwirkliche Gegend. Die Insel war die Inspiration zu dem Anime-Meisterwerk “Prinzessin Mononoke”, mit seinen vielen Naturgeistern. Einmal hier überrascht dies nicht im Geringsten. Der Mensch scheint nicht hier hin zu gehören, der Wald hat seine eigene Dynamik, sein eigenes Leben…
Auf dem Gipfel trocknete ich meine Schuhe und Socken so gut es ging und genoss die ersten Sonnenstrahlen seit Okinawa.
Beim Abstieg machte ich eine kleine Rast bei der Hütte, hielt ein kurzes Nickerchen und packte meine zurückgelassenen Sachen ein. Der letzte Bus würde um 15 Uhr abfahren, dann würde ich da oben feststecken. 23km zum Dorf laufen war nicht meine Absicht. Die 3km von der Hütte bis zur Bushaltestelle waren schnell zurückgelegt.
Zurück in mein feuchtes Zelt, welches ich zusammen mit einigem unnützen Material in Anbo stehen liess.

Yakushima war ein Erlebnis, ein Nasses, aber dennoch tief. Keine Ahnung wie viele “WOW’s” ich fallen liess, während ich die Bäume anschaute und die alte Kraft der Natur spüren konnte, die diesen Ort beherrscht.

So viel Wasser….
So viel Grün…





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