Südlich
einer der Hauptinseln – Kyushu – liegt die kleine Insel Yakushima.
UNESCO
Weltnatur-Erbe und einer der nässesten Orten der Welt.
In der Tat.
Es regnete
aus Kübeln als ich mit der Fähre ankam.
Der Herr
Petrus hatte die ganz grossen Kübel - die für den Notfall, ganz hinten im Regal
– hervorgeholt.
Zuerst
verkroch ich mich in einem Restaurant, um eine Pause abzuwarten und irgendwo
ein Zeltplatz zu suchen. Es kam keine Pause. Wohlan! Raus in den Wasserfall und
den Schirm aufspannen.
Ich fand
einen geeigneten Zeltplatz in dem kleinen Hafendorf Anpo gleich nach der
Brücke, in einem kleinen Unterstand. Da würde ich niemanden gross stören und
hatte eine öffentliche Toilette mit Dusche – sprich Wasserschlauch – daneben.
Auf der
Fähre hatte ich die Mädels Saki und Azusa kennengelernt und saugte am folgenden
Tag gleich den Beiden auf eine Wanderung an. Mich überraschten die hohen
Buspreise, um in das kleine Tal in den Bergen zu gelangen! Die Insel hat nur
einen Durchmesser von etwas mehr als 35km, aber dennoch eine grosse Fläche:
alles ist bergig, sehr wenig flach. Es hatte Bäume mit geschätzten 3000 Jahren
und mehr, welche die Zeit der Abholzung überlebt hatten, bevor die Insel
Nationalpark wurde. Jomo – Sugi, einer dieser Riesen, war unser Ziel. Wir
liefen den alten Schienen entlang, über welche das Holz rausgeschafft wurde.
Der Weg war mehr oder weniger ein Bach und es goss immer weiter.
Bald trafen
wir auf die ersten Yakushima Hirsche, welche nur hier vorkommen und praktisch
keine Scheu vor den Menschen haben.
Der Weg
führte an einem riesigen Baumstumpf vorbei. Seit Taiwan war dies der
beeindruckenste Wald, den ich je sah. Leider liess das Wetter den Ausflug nicht
sonderlich geniessen.
Alles war
nass.
Am nächsten
Tag wollte ich zwar wandern gehen, aber die anhaltenden Schauer liessen mich
die Küste erkunden, anstatt in die Berge zu fahren. Ich nahm den Bus zum
Senpiro-no-taki Wasserfall, wo mich ein anderer Tourist mit seinem Auto auflas.
Haschi war mir gleich sehr sympathisch. Natürlich erinnerte mich der Name an
die Gleichnamigen Halter-Bonbons ;)
Er war auf
dem Weg, die Insel zu umrunden, 135km. Er war so freundlich und nahm mich
gleich mit. Wir besuchten einen weiteren grossen Wasserfall – Oko-no-taki - der
so viel Wasser führte, dass wir von den Gischt Spritzern innerhalb von Sekunden
nass waren, trotz gehörigem Abstand.
Die
Wassermassen verursachten ein riesen Tosen und ein Sturmwind in der Schlucht.
Auf der
Strasse sahen wir Makaken, die gerade bei der Fellpflege waren, sich nicht dabei
stören liessen und sehr viele Hirsche. Da die Insel seit langem unter Schutz
steht und keiner jagt, haben die Tiere eine sehr geringe Fluchtdistanz und
lassen sich herrlich aus der Nähe in ihrem natürlichen Verhalten beobachten.
Ich war
froh, einen Tag im Trockenen in einem Auto verbringen zu können!
Aber die Wettervorhersage sah vielversprechend aus:
Die
nächsten beiden Tage sollten schön werden!
Ich wollte
eine Wanderung auf den höchsten Berg, den 1936m hohen Mt. Myianoura, wagen. Auf
der Strecke hatte es eine Hütte in der man übernachten konnte. Mein Plan war,
mich trotz Regen (entgegen der Wetterfee) zur Hütte durchzuschlagen, da zu
übernachten und falls es am folgenden Tag besser war, den Aufstieg zu machen.
Ich kam mit
meinen Schuhen voll Wasser bei der Hütte an. Es hatte noch einen weiteren Gast,
Mr. Sato, wir waren die Einzigen. Neben der Hütte hatte es einen kleinen Fluss
der 1.5m hoch Wasser führte. Glasklares Wasser. Eine Stunde nachdem der Regen am
Abend aufgehört hatte, war der Stand auf einen halben Meter gesunken. Trotz
heftigstem Regen sind alle Bäche klar. Keiner führt schmutziges Wasser. Die
Insel wird so regelmässig durchgewaschen, dass da einfach kein Dreck mehr übrig
ist. Und es hat viele Bäche, überall. Wasser und Erde sind die Elemente hier.
Die Bäume sind von einer dicken Moosschicht überzogen und auch die Steine im
Wald haben einen kleinen Flechtenwald auf sich.
Mr. Sato
und ich wachten um 4 Uhr früh auf und starteten eine Stunde später. Zuerst
hatte ich noch Zweifel, aber als die ersten Sonnenstrahlen magisch durch den
nassen Nebelwald drückten, stieg meine Zuversicht. Das Wetter würde den ganzen
Tag halten. Ich hatte den einzigen regenfreien Tag innerhalb 2 Wochen erwischt!
Ich fühlte mich wie in einer Märchenwelt…
Nass wurde
ich trotzdem. Der brusthohe Bambus in den höheren Gefilden triefte nur so vom
nächtlichen Nebel. Der Weg war an sich gut, aber streifte doch die ganze Zeit
den Pflanzen entlang. Wieder war alles voller Hirsche. Ich zählte schon lange
nicht mehr. Einen Fasan habe ich auch noch gesehen, eine grosse Kröte und eine
Schlange, die aber zu schnell weg war.
Die
Granitfelsen erodieren einzigartig und hinterlassen eine unwirkliche Gegend.
Die Insel war die Inspiration zu dem Anime-Meisterwerk “Prinzessin Mononoke”,
mit seinen vielen Naturgeistern. Einmal hier überrascht dies nicht im
Geringsten. Der Mensch scheint nicht hier hin zu gehören, der Wald hat seine
eigene Dynamik, sein eigenes Leben…
Auf dem
Gipfel trocknete ich meine Schuhe und Socken so gut es ging und genoss die
ersten Sonnenstrahlen seit Okinawa.
Beim
Abstieg machte ich eine kleine Rast bei der Hütte, hielt ein kurzes Nickerchen
und packte meine zurückgelassenen Sachen ein. Der letzte Bus würde um 15 Uhr
abfahren, dann würde ich da oben feststecken. 23km zum Dorf laufen war nicht
meine Absicht. Die 3km von der Hütte bis zur Bushaltestelle waren schnell
zurückgelegt.
Zurück in
mein feuchtes Zelt, welches ich zusammen mit einigem unnützen Material in Anbo
stehen liess.
Yakushima
war ein Erlebnis, ein Nasses, aber dennoch tief. Keine Ahnung wie viele “WOW’s”
ich fallen liess, während ich die Bäume anschaute und die alte Kraft der Natur
spüren konnte, die diesen Ort beherrscht.
So viel
Wasser….
So viel Grün…
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen