Donnerstag, 7. Mai 2015

rostigen Gleisen entlang


ich lasse die Verbotstafeln der Behörden hinter mir und folge der zerstörten Eisenbahnlinie..


Eingebrochener Tunnel, immer den Gleisen entlang, über zum Teil hohe Stege laufend. 


 
 

alter Bahnhof mitten im Wald

 
 
 

Mein Campingplatz, nach einem steilen, nassen Abstieg. Am Morgen war auf einmal ein Bach da, wo es am Abend noch kein Wasser hatte.
 
 

der wohl grösste Baumstamm den ich je sah, das daneben sind ausgewachsene Tannen und ein Swinhoes Fasan, wunderschönes Tier

 



nach so viel stitzen brauchte ich Bewegung!

Mara hatte mich auf unserem Alishan-Trip auf eine Wanderung aufmerksam gemacht;
ich könne von da nach Xitou laufen, 3 Tage entlang der inzwischen verschütteten Eisenbahnstrecke.

Nach dem Vipassana Kurs stöppelte ich direkt in Richtung Alishan, kaufte Proviant auf dem Weg ein und schaffte es bis an den Fuss der Berge.
Eine Nacht verbrachte ich dort am Fluss und dann gings los, auf 2300m rauf in die Touristen-Station, wo es von Chinesen nur so wimmelt.
Ich wimmelte sie jedoch bald ab.

Gegenüber der Station sah ich von Erdrutschen verschüttete Tunnels und fragte mich wo die denn hingeführt hatten. 
Eine Stunde später stand ich dort am Hang und wusste es.
Es war die alte Eisenbahnlinie, die nie fertiggestellt wurde und nun als Wanderung dient.
Von den Behörden offiziell geschlossen, scheint sie sich jedoch einiger Beliebtheit zu erfreuen.
Ich war komplett alleine.
Aber die angebrachten Seile um schwierige Passagen zu meistern und der ausgetretene Pfad sprachen für sich.

Ein Teil war komplett abgertscht und musste kletternd umgehen werden, ein andermal war ein Tunnel eingestürzt und ich musste über den Sturz klettern.
Ansonsten verliefen die Gleise in dem herrlichen Wald Taiwans. 

Wie üblich hatte ich mich im vornherein über die Strecke nicht schlau gemacht.
Und auch die Wettervorhersage ausgelassen.

Beim letzten verlassenen Bahnhof kam ich schon am Mittag an.
Da lauf ich doch noch weiter, bis jetzt war alles flach gewesen und ich noch voller Saft.
Hoch den Hang!
Er war steil und ich hatte alles Gepäck dabei. Nicht einfach nur mein normales Wanderungsgepäck, sondern alles.
Was etwas zu schwer war für solche Kapriolen...
Nun denn, ich war unterwegs und das schöne Wetter endete in strömendem Regen.
Zum Glück hatte ich den steilen Aufstieg praktisch hinter mir.
Der Wald war voll von Brusthohem Bambus, wie hohes Gras.
Ich wurde patschnass, meine Schuhe auch voller Wasser.
Nun der Abstieg.
Ein bischen rutschig.
Und wieder steil.
Der letzte Teil verlief Teils in einem trockenen Bachbett. Mein Wasser ging zu Ende als ich mein Camp am Bach aufschlug. Kaum war es aufgeschlagen, fing es an richtig runter zu leeren. Ich hatte noch mit meinem Löffel aus einem kleinen Rinnsal Wasser in die Flasche gefüllt. Am Morgen war ein richtiger Bach da. Es regnete die halbe Nacht durch.
Mein Wasserproblem war verpufft.  

Mein rechtes Knie tat mir weh.
Steiler Abstieg hatte keine heilsame Wirkung gehabt...
Witzigerweise tat mir während der Meditation nur das linke Knie weh... Dies scheint der Indikator von zu langem Sitzen zu sein. Das rechte der von zu intensivem laufen....
Nicht lange und ich konnte es beinahe nicht mehr biegen.
Lief mit einem praktisch steifen Bein die rutschigen Pfade runter.
Bald ging es in einen uralten Waldweg über, der wahrscheinlich noch von den Japanern angelegt worden war um das Gebiet abzuholzen.

Da war eine Abzweigung.
Und wie es die Tradition verlangte, nahm ich die falsche.
Dummerweise kann ich kein Chinesisch lesen. Der Weg wäre angeschrieben, aber für mich war es halt, nun ja, chinesisch.
Der Weg führte an einen riesigen alten Baum. Immens. Der muss mehrere tausend Jahre da stehen! Noch nie habe ich einen solchen Stamm gesehen....
Offener Mund, glotzende Augen.

Und es schien als wäre der Pfad da fertig.
Ich dacht mir noch, dass ich den anderen Weg runter musste.
Aber zurück laufen? 20 Minuten?
Niemals!!!!
Der Pfad führte weiter, jedoch viel weniger ausgetreten, hatte aber nach wie vor die Plastikmarkierbänder, mit denen die Wanderer die Pfade hier markieren.

Ich humpelte drauf los.
Es fing wieder zu regnen an. Heftig. Mein Schrim ging kaputt, da er mit den Ästen und dem vielen Schilf nicht klarkam.

Der Weg führte runter, runter, runter, bis ich an einen Bach kam.
Dann führte er dem Tal entlang hinaus.
War aber, in meinem Zustand und mit soviel Gepäck nicht einfach.
Und immer noch so rutschig.
Wenigstens hatte der Regen wieder aufgehört.
Nun gings das Tal raus.
Irgendwann bemerkte ich die Blutegel an meinem Handgelenk, hatte aber grössere Probleme mit dem Weg als mich da gross zu kümmern.
Abreissen und weg damit.

Nach einer Ewigkeit kam ich auf einen befestigten Waldweg.
Ich war miserabel inzwischen, mein rechtes Bein tat mir durch die höhere Belastung nun auch sehr weh. Dazu nass, die Füsse in dem Sumpf von Schuhen völlig aufgeweicht.
4km folgte ich dem Weg und kam schliesslich in Felder von Gemüsebauern.
Da fragte ich einen Mann, ob ich irgendwo schlafen könne.
Es war 4Uhr Nachmittags.
Er brachte mich freundlicherweise zur Kirche im Dorf, nochmals 2km weiter die Strasse runter. Ich hätte sie nicht mehr gehen können.

In der Kirche hatten sie Massenschläge, wo ich eine Nacht bleiben durfte und eine heisse Dusche hatte. Was für ein Segen.

Ich war nur 2 Tage unterwegs gewesen, hatte die Strecke in halber Zeit zurückgelegt als angegeben.

Was aber eindeutig über das Ziel geschossen war.
Nach der intensiven Meditation, was harte Arbeit war, hätte ich das ganze ruhiger angehen sollen. Das Wetter spiele auch nicht ganz mit.

Am nächsten Morgen aber, als die Sonne schien und ich so in die Berge rauf spienzelte, wollte ich bereits wieder zurück...
Meine Knie taten schon nicht mehr weh
:P

1 Kommentar:

  1. Wälder und Baumstämme faszinieren mich auch total! Schöne Fotos!

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