Donnerstag, 18. Juni 2015

Mr. Yonezou





Nach diesen 3 Nächten in Okuma Beach, ass ich gemütlich mein Frühstück bei einem kleinen Laden an der Strasse. Da setzte sich ein Mann neben mich, fragte mich in gebrochenem Englisch ob ich Tourist sei, woher ich komme und ob ich Baseball möge.
Die Baseball-Frage verneinete ich und sagte, dass ich eher auf Kampfsport stehe.
Oh, er auch! 
Er sei Karatelehrer im 6. Dan für Okinawa Karate.
Er wohne nur 5km von hier und ich könne ihn doch besuchen kommen. 
Kurz überlegen und ich sagte zu.
Die nächsten beiden Tage führte mich Mr. Yonezou in die Grundtechniken in seinem kleinen Dojo ein.
Karate ist viel weniger flüssig als Kung Fu, was ich mir gewohnt bin, aber der 67 Jahre alte Herr brachte wirklich eine enorme Kraft zu Tage. Obwohl er einen Kopf kleiner war als ich, würde ich mich nicht mit ihm anlegen.
Er war stolz, mir sein Können zu presäntieren und zeigte mir diverse Katas mit und ohne Waffen. Ich lernte 2 kurze Grundformen in den beiden Tagen.
Er war einfach nur glücklich sein Können einem Ausländer zu zeigen und wollte nicht als Gegenleistung. Ich mochte den Mann.
Am Sonntag war ein traditionelles Bootrennen ein Dorf weiter, wo er eine Kata mit dem Paddel vorzeigte und mich überredete die kurze Grundform aufzuzeigen.
So stand ich am Strand und zeigte was ich kann.

Beim Bootsrennen gabs hauptsächlich Sake und Bier zu gewinnen.
So ist das Landleben.
Der Norden ist sehr spärlich bevölkert, Yona, wo Mr. Yonezou wohnt, hat nur ca. 50 Einwohner....

Die alte Strasse hat einiges mitgemacht und viel ist nicht mehr von ihr zu sehen.
Okinawa hat regelmässig Taifune, die mit unglaublicher Gewalt auf das Land einschlagen. 



Ich campierte auf dem kleinen Sportplatz und duschte bei Yonezou mit dem Gartenschlauch. 
So ist das Reiser-Leben.
Ich trage als Unterhose nur meine Badehose, aus praktischen Gründen.
Die kann ich jeden Tag auswaschen und trocknet schnell.

Während ich den Tag durch mit Yonezou Karate trainierte, suchte ich im Dunkel die Wälder heim.
Ich konnte noch ein schönes Foto der Natter machen, welche mich nur 2 Tage zuvor so erschreckte. Yonezou hatte eine Tafel mit den heimischen Schlangen im Dojo aufhängen, welche mit Rot, Orange oder Grün umrandet waren.
Die Natter war grün, also ungiftig.
Eigentlich wollte ich eine 2m lange Habu-Viper finden, suchte aber vergebens.
Trat dafür beinahe einer der kleinen Vipern auf den Schwanz. Die rühren sich echt gar nicht! Da muss man gut schauen...

Es hatte sehr viele Landkrabben und Einsiedlerkrebse, die mit ihren Schneckenhäuschen umher wuselten. Die Kuroiwa-Bodengeckos waren auch wieder sehr präsent und rannten mit hochgestelltem Schwanz davon.  Waren aber nicht unbedingt scheu.
Dann traf ich auf eines der wenigen Tiere, die mir eine Gänsehaut über den Rücken jagen;
ein 35cm langer Skolopender.
Diese Riesenhundertfüssler sind mir unheimlich und sehr schmerzhaft giftig. Die fressen alles was sie packen können, sogar Schlangen.

Das waren weitere erlebnisreiche Tage und Nächte an der Nordostküste Okinawas. 


2 Kommentare:

  1. Hey Lukas, wollte Dir noch schreiben, dass Du das Okinawa Karate schnuppern gehen könntest, habe es dann sein lassen. Jetzt hast Du es tatsächlich gemacht. Ist ja voll cool!!

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  2. Schön, dass Du die Natur so erleben kannst! Meine Erlebnisse halten sich zur Zeit in Grenzen, aber eines davon habe ich heute morgen aufgeschrieben:
    Ich sitze im Zug, schaue aus dem Fenster, beobachte die Natur
    - wie Süchtige greifen sie nach den Zeitungen
    Ich sehe ein Reh im hohen Gras, ein Fischreiher fliegt neben dem Zug her
    - wie gebannt tippen sie in ihre Smartphones
    Ich sehe die Bäume, wie die Feuchtigkeit der letzten Tage aus ihnen dampft
    - sie lassen sich durch ihre Kopfhörer beschallen
    Ich sehe den blauen Himmel hinter den grauen Wolken hervorscheinen
    - sie schlafen, als hätten sie keine Nacht gehabt
    Ich schaue nach draussen, bin dankbar!

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